Evokation


Evokation
Heraufbeschwören

* * *

Evo|ka|ti|on 〈[ -vo-] f. 20
1. Erweckung von Vorstellungen (bei der Kunstbetrachtung)
2. 〈veraltet〉 Vorladung (eines Beklagten)
[<lat. evocatio]

* * *

Evo|ka|ti|on, die; -, -en [lat. evocatio = das Heraus-, Hervorrufen, zu: evocare, evozieren]:
1. (bildungsspr.) [suggestive] Erweckung von Vorstellungen od. Erlebnissen (z. B. durch ein Kunstwerk, seine Formen u. Inhalte).
2. (Rechtsspr.) Vorladung eines Beklagten vor ein anderes, höheres Gericht (unter Abforderung des gegen ihn rechtshängigen Prozesses).

* * *

Evokation
 
[lateinisch »das Hervorrufen«, »Aufforderung«] die, -/-en,  
 1) bildungssprachlich: die (suggestive) Erweckung von Vorstellungen, Assoziationen, z. B. durch ein Kunstwerk.
 
 2) Recht: lateinisch Evocatio, Ius evocạndi, Abforderung eines rechtshängigen Prozesses durch ein anderes, höheres Gericht; nach dem Reichsrecht des Mittelalters konnte der König als oberster Richter jede noch nicht rechtskräftig entschiedene Rechtssache an sich ziehen (Prozesse abfordern) und zur Entscheidung vor das Reichshofgericht (später die Reichsgerichte) ziehen. Nach dem Verzicht des Königs auf Evokation gegenüber den Kurfürsten in der Goldenen Bulle 1356 wurde das Privilegium de non evocando seit dem Spätmittelalter von weiteren Landesherrn erworben. Der Papst hatte bis zum Konzil von Trient das Recht der Evokation gegenüber kirchlicher Gerichten. - Im heutigen Recht hat z. B. der Generalbundesanwalt gemäß § 74 a Absatz 2 Gerichtsverfassungsgesetz ein Evokationsrecht in Staatsschutzsachen.
 
 3) römischer Religion: lateinisch Evocatio sacrorum, der Brauch, den Schutzgott einer feindlichen Stadt unter feierlichen Zeremonien durch die Priester zum Verlassen seines bisherigen Sitzes aufzufordern und ihm Tempel und Kult in Rom zu versprechen. Der Ort sollte damit profan und der Zorn der Gottheit über seine Zerstörung abgewendet werden. Bezeugt ist der Brauch für die Belagerung von Veji 396 v. Chr.
 

* * *

Evo|ka|ti|on, die; -, -en [lat. evocatio = das Heraus-, Hervorrufen, zu: evocare, ↑evozieren]: 1. (bildungsspr.) [suggestive] Erweckung von Vorstellungen od. Erlebnissen (z. B. durch ein Kunstwerk, seine Formen u. Inhalte). 2. (Rechtsspr.) Vorladung eines Beklagten vor ein anderes, höheres Gericht (unter Abforderung des gegen ihn rechtshängigen Prozesses). 3. (hist.) das Recht des Königs u. des Papstes, eine nicht erledigte Rechtssache unter Umgehung der Instanzen vor sein [Hof]gericht zu bringen. 4. (hist.) Herausrufung der Götter einer belagerten Stadt, um sie auf die Seite der Belagerer zu ziehen (altrömischer Kriegsbrauch).

Universal-Lexikon. 2012.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Evokation — (lat.), eigentlich das Herausrufen, Evocatio sacrorum, bei den Römern die feierliche Aufforderung an den Schutzgott einer belagerten Stadt, dieselbe zu verlassen und nach Rom überzusiedeln, mit dem Gelöbnis, ihm dort ein Heiligtum zu errichten.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Evokation — (lat.), das Hervorrufen, Vorfordern; Vorladung vor ein auswärtiges Gericht, im Mittelalter bes. das dem Papste zustehende Recht, von den bischöfl. Gerichten ab und nach Rom zu berufen. Evokatorĭum, Vorladungsschreiben; evozieren, aufrufen,… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Evokation — Evokation,die:⇨Vorladung …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Evokation — Der Begriff Evokation (lat. evocatio „Aufruf“, von evocare „herausrufen“) hat mehrere Bedeutungen: Evokationsrecht ist im Bereich der Staatsanwaltschaft das Recht der übergeordneten Behörde, ein Verfahren an sich zu ziehen (zu übernehmen) und… …   Deutsch Wikipedia

  • Evokation — E|vo|ka|ti|on 〈 [ vo ] f.; Gen.: , Pl.: en〉 1. 〈veraltet〉 Vorladung (eines Beklagten) 2. Erweckung von Vorstellungen (bei der Kunstbetrachtung) [Etym.: <lat. evocatio] …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Evokation — Ansichziehen einer noch nicht erledigten Rechtssache oder Verwaltungsangelegenheit durch die übergeordnete Dienststelle …   Lexikon der Economics

  • Evokation — Evo|ka|ti|on die; , en <aus lat. evocatio »das Herausrufen, die Aufforderung« zu evocare, vgl. ↑evozieren>: 1. Erweckung von Vorstellungen od. Erlebnissen bei der Betrachtung eines Kunstwerkes. 2. das Recht eines Königs bzw. des Papstes,… …   Das große Fremdwörterbuch

  • Evokation — Evo|ka|ti|on, die; , en <lateinisch> (Erweckung von Vorstellungen bei Betrachtung eines Kunstwerkes; Rechtssprache Vorladung eines Beklagten vor ein höheres Gericht) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Heraufbeschwören — Evokation * * * he|rauf|be|schwö|ren [hɛ rau̮fbəʃvø:rən], beschwor herauf, heraufbeschworen <tr.; hat: 1. durch [unüberlegte, unbedachte] Handlungen (ein Unglück) verursachen: die Äußerungen des Ministers beschworen eine ernste Krise herauf.… …   Universal-Lexikon

  • Beschwörung — eines gehörnten Dämons Unter einer Beschwörung versteht man sowohl eine flehentlich oder auch vehement vorgetragene Bitte an einen Mitmenschen oder an ein höheres Wesen, als auch die Herbeirufung von Dienstbarmachung von übernatürlichen Wesen.… …   Deutsch Wikipedia


We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.